Danke allen, die sich inspirieren lassen und
mich inspirieren.
Spielraum

Ich sitze im Schneidersitz auf dem Boden und bin ganz ruhig. Ich fühle mich verbunden mit dem Raum. Die Holzgeräte zum Klettern für Kleinkinder, entworfen von der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler, stehen an ihrem Platz: die Krabbelkiste mit dem eingehängten Rutschbrett, mir am nächsten; die Kiste mit zwei schiefen Ebenen, eine mit Teppichstoff bespannt, die andere in glattem Holz; dahinter die Dreiecksleiter, hüfthoch; der Tunnel mit den seitlichen Gitterstäben und die Würfel zum Durchkriechen oder Raufklettern. Wie oft habe ich in den letzten sechzehn Jahren den Raum vorbereitet? Wie oft die Körbe mit Bällen, Bechern, Holzscheiben, Würfeln, Zylindern, Holzkegeln, Holzringen in verschiedenen Größen, Eierbechern und Bechern bereitgestellt, sie zurecht gerückt, bis sie an der richtigen Stelle standen? Ich liebe jedes einzelne Detail, jedes Ding hat seinen Platz. Jeder der acht Polster liegt an der richtigen Stelle, die kleinen Holzhocker daneben. Ich genieße die letzten Minuten, bevor es klingelt und der automatische Türöffner sein krächzendes Geräusch von sich gibt.
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2016.03.04

Zwei Kinder
Moses, 26 Monate, krabbelt in den Tunnel, Judith folgt ihm. Moses liegt auf dem Rücken. Judith ebenso mit ihrem Kopf vor seinen Füßen. Moses drückt mit den Füßen gegen Judiths Kopf und schiebt sie hinaus. „Mama, Mama“, ruft Judith. Ich setze mich dazu und sage: „Judith, du kannst herausrutschen. Du musst das nicht mit dir machen lassen.“ Sie hört auf zu rufen und rutscht raus. Lachend klettert sie auf den Tunnel und ein neues Spiel mit Moses beginnt.

Ein Kind, Material und ich
Moses klopft mit einem abgeschliffenen Stück Birkenholz, das gut in seiner Hand liegt, auf den Würfel aus Weichholz. Sichtlich genießt er Lautstärke und die Kraft mit der er Einkerbungen bewirkt. Ich erkenne Handlungsbedarf, streiche mit der Hand über die eingekerbte Fläche und leite ihn an, auf den Boden zu klopfen. Das interessiert ihn nicht, er klopft weiter auf den Würfel. Wieder biete ich andere Klopfmöglichkeiten an, während ich die Fläche schütze. Mit blitzenden Augen schaut er mich an und will weiter klopfen. Ich drehe den Würfel so, dass die weichen Flächen nicht mehr erreichbar sind. Aus dem Nebenraum hole ich einen Wäschekorb voll harter, großer Bausteine, stelle ihn ab, lege einige Bausteine auf den Boden und zeige, dass er da drauf klopfen kann. Das Angebot nimmt er an. Begeistert klopft er auf die unterschiedlichen Bausteine – laut, leise - er baut und klopft abwechselnd. Lautes Klopfen erfüllt den Raum. Mein Blick auf die Gruppe lässt mich erkennen, dass die Kinder weiter eigenen Aktivitäten nachgehen. Eine halbe Stunde braucht Moses, bis er sich frei geklopft hat.

Entdeckungsreise
Alice, knapp 9 Monate, rollt durch den Raum. Auf ihrem Weg begegnet sie einer Holzkugel. Alice nimmt die Kugel, legt sich auf den Rücken, betastet sie mit beiden Händen, kostet sie von allen Seiten, dreht sie immer wieder in ihren Händen, hält sie weiter weg, betrachtet sie mit Abstand, führt sie wieder zum Mund. Sie lässt die Kugel los und schaut dem Wegrollen nach. „Äh, äh“, suchend schaut sie sich um. Cathrin, ihre Mama, setzt sich in ihr Blickfeld. Mit freudigem Strahlen rollt sie sich ihr entgegen. Behutsam nimmt Cathrin ihre Tochter in den Arm und trägt sie zu ihrem Platz. Zeit zum Ausruhen, Zeit für Nähe.

Ein Kind begegnet Mutter und Kind
Ina, 24 Monate, sitzt vor ihrer Mama, Gudrun, Becher ordnend. Moses, 26 Monate, nähert sich mit einem abgeschliffenen Stück Birkenholz und klopft auf Inas Kopf. Sie schaut auf, Unsicherheit im Gesicht. Gudrun blickt Moses strahlend an. „Hier kannst du drauf klopfen“, sagt sie während sie ihre offene Handfläche anbietet. Moses klopft sanft auf die Handfläche, immer in Blickkontakt mit Gudrun. Ina beobachtet ihn genau, bis auch sie ihre Handfläche anbietet. Mit dauerndem Blickkontakt klopft Moses vorsichtig abwechselnd auf die beiden Handflächen. Satt von dieser Erfahrung wendet er sich Neuem zu.

Mutter und Kind
Leah, 12 Monate, bringt ihrer Mama Julia eine verschlossenen Plastikflasche. Julia schaut mich fragend an: „Darf ich sie aufmachen?“ „Nein“, antworte ich „ gib ihr die Möglichkeit, selbst zu probieren.“ Ich setze mich dazu. „Äh, äh“, spricht Leah, während sie auf den Verschluss zeigt.
„Das ist der Verschluss“, erkläre ich an Leah gewandt. Sie probiert ihn zu drehen und kommentiert: „Äh, äh.“ „Ja, die Flasche ist zu“, ist meine Antwort. Leah verliert das Interesse und wendet sich anderem zu. Einige Minuten danach nimmt sie die Flasche erneut, reicht sie Julia schaut sie an, dreht am Verschluss. Diesmal sitzt Julia aufrecht und beobachtet mit wachem Blick, das Probieren ihrer Tochter. Leah probiert interessiert, vertieft in die eigene Aktivität. Julia ist als Beobachterin Teil des Prozesses. Sicherheit und Verbundenheit sind spürbar.

Begegnung
Wendolin, 8 Monate, robbt in Richtung eines kleinen blauen Plastikkörbchens. Henrik ist dort mit Plastikflaschen beschäftigt. Wendolin ergreift das Körbchen und betrachtet es interessiert. Henrik wendet sich dem Geschehen zu und greift nach dem Körbchen. Beide halten das Körbchen und sehen einander an. Wendolin zieht es ein wenig zu sich, Henrik auch. Nun lockert Wendolin seinen Griff und Henrik hält es – immer in Blickkontakt mit seinem Gegenüber. Henrik bietet Wendolin das Körbchen an, zieht es wieder zurück und krabbelt ein Stück weg. Fasziniert beobachtet Wendolin in Bauchlage, abgestützt auf seinen Armen, das Geschehen. Henrik kommt zurück, reicht Wendolin das Körbchen. Als dieser es nimmt, dreht er sich um und wendet sich wieder den Flaschen zu. Wendolin vertieft sich erneut in die Betrachtung des Körbchens und klopft damit auf den Boden. Nun lässt er es los und setzt robbend seine Erkundung des Raumes fort.

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